Muss ich meine Hochzeit wegen des Coronavirus absagen oder verschieben?

Die große Frage, die sowohl euch Hochzeitspaare als auch uns Hochzeitsfotografen beschäftigt:
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Ab wann bzw. müssen wir als Brautpaar unsere Hochzeit wegen des Corona-Virus absagen oder den Termin verlegen?
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(Stand 21.03.2020) Versammlungen von mehr als 3 - 4 Personen sind mittlerweile verboten. Verschiebt eure Hochzeit auf den Spätsommer/Herbst, aber lieber ganz auf nächstes Jahr. Es tut mir sehr leid!

(Stand 15.03.2020, dieser Artikel wird laufend aktualisiert. Siehe weiter unten)

Nein! … eine Hochzeit, auch wenn mehr als 500 Gäste geladen sind, wird als eine private Feier mit einer geschlossenen Gesellschaft angesehen. Eine private Feier ist rechtlich anders zu bewerten als eine öffentliche Veranstaltung. Das fängt bei der GEMA an und endet bei den Brandschutzbestimmungen, und betrifft auch das Corona-Virus.
Gestern (12.03.2020) appellierte die Bundeskanzlerin, alle unnötigen Veranstaltungen (und dazu gehören eigentlich auch Hochzeiten) abzusagen und auf soziale Kontakte zu verzichten.
Dies ist jedoch nur ein Appell und noch keine Entscheidung des Bundes und der Länder und keine verbindliche Verordnung. Damit bleibt es in Deutschland momentan noch so, dass jedes Brautpaar selbst entscheiden kann, ob die Hochzeitsfeier stattfinden wird oder nicht.


Kann mich jemand zwingen, meine Hochzeit wegen dem Coronavirus abzusagen oder zu verschieben?
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Rein rechtlich betrachtet: Nein! Frank Inderthals (SDP) Zitat im Interview mit mittelhessen.de: “Wenn Sie das Bürgerhaus offiziell gemietet haben, dann haben Sie auch einen gültigen Mietvertrag”. Damit hat auch der Bürgermeister kein Recht oder handhabe, eine Veranstaltung dieser Art, egal ob Geburtstag oder Hochzeit, zu verbieten. 
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Verbot und Absage der Hochzeit - Ist die Stadt dazu berechtigt?
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Zurzeit gibt es bereits einige Gemeinden und Bezirke, die aufgrund des Virus alle Events komplett abgesagt haben. Das betrifft in diesem Fall auch Hochzeiten, da es sich um Veranstaltungen mit großem Besucheraufkommen handelt. Das bedeutet, dass die Hochzeit verschoben oder ganz abgesagt werden sollte. ABER: Eine Hochzeit ist und bleibt eine private Veranstaltung.

Update 15.03.2020

Regionale Unterschiede:

Heilbronn

Im Landkreis Heilbronn sind Veranstaltungen ab 100 Personen strikt verboten und von 50-99 müssen sie von der Polizei sondergenehmigt werden.Nichtbeachtung wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahre bestraft

Stuttgart

In Stuttgart wurden nun auch alle privaten Veranstaltungen und damit Hochzeiten untersagt. Ob das überhaupt rechtens ist und hier schon das Infektionsschutzgesetz greift ist unklar.

Berlin

In Berlin werden einige Trauungen ohne Gäste durchgeführt und Veranstaltungen ab 50 Personen sind jetzt untersagt!

https://www.berlin.de/ba-treptow-koepenick/aktuelles/pressemitteilungen/2020/pressemitteilung.906695.php

Köln

In Köln müssen die Veranstalter klären, ob die Teilnehmer - das sind Besucher ebenso wie Mitwirkende - aus einem Risikogebiet kommen, wie lange das Event oder Treffen dauert, ob es ausreichend Gelegenheit zum Händewaschen gibt. Insgesamt acht Fragen werden aufgelistet und mit Punkten versehen. Werden 12 Punkte erreicht, muss Rücksprache mit dem Gesundheitsamt genommen werden.

Notfalls kann die Veranstaltung dann auch verboten werden. Bei Nichtbefolgen kann im Extremfall ein Bußgeld bis zu 25.000 Euro verhängt werden. Johannes Nießen, Leiter des Gesundheitsamtes, setzt aber ebenso wie Stadtdirektor Stephan Keller auf das Verantwortungsgefühl der Veranstalter.

Dresden

Die Stadt Dresden teilte weiterhin am Donnerstagnachmittag mit, dass Veranstaltungen mit 100 bis 1000 Gästen eine Anzeigepflicht haben. Demnach müssen die Veranstalter ihre Events dem Gesundheitsamt über ein Online-Formular mit einer Beschreibung bekanntgeben werden und mitteilen, welche Hygiene-Maßnahmen geleistet werden.

Schon bei Veranstaltungen ab 100 Besuchern ist beispielsweise eine Gesundheitskontrolle am Einlass durchzuführen. Dies betrifft kommerzielle Events genauso, wie auch private Feiern.

Die Meldungen müssen bis 72 Stunden vor Beginn beim Gesundheitsamt eingehen. Events an diesem Wochenende müssen so schnell wie möglich angemeldet werden.

Bremen

In Bremen müssen alle Veranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern beim Ordnungsamt angemeldet werden.

Göttingen

Stadt und Landkreis Göttingen haben alle Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern verboten.

Freiburg

In Freiburg gilt das Veranstaltungsverbot sogar schon bei einer Teilnehmerzahl von über 50.

Mit großer Sicherheit werden in den nächsten Tagen weitere Städte und Landkreise diesen Beispielen folgen. Wenn eure Hochzeit also in den nächsten Tagen und Wochen ansteht, solltet ihr euch unbedingt beim zuständigen Ordnungs- oder Gesundheitsamt darüber informieren, ob eure Hochzeit stattfinden darf.

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Wer trägt im Falle einer Stornierung unserer Hochzeit welche Kosten?
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Wenn jedoch in den nächsten Tagen oder Wochen eine allgemeine Verordnung der Bundes- oder Landesregierung erlassen wird, die alle Zusammenkünfte von Personen wegen des Coronavirus vollständig verbietet, wie es z.B. in Österreich der Fall ist, dann werdet ihr auch die Hochzeit absagen müssen. Die Wahrscheinlichkeit ist nach Ansicht der Experten derzeit jedoch sehr unwahrscheinlich.
Die zwei Möglichkeiten:
Der Saalbetreiber sagt von seiner Seite ab: Dann muss er alle Kosten übernehmen (natürlich solltet ihr euch vorher auch die Verträge anschauen).
Die Hochzeit wird durch ein juristisches Dekret abgesagt: Dann werdet ihr leider die Kosten tragen. Dann muss man z.B. (je nach Vertragsbedingungen) selbst die Annullierungskosten der Leistungserbringer (Catering, Location, Fotograf, Band etc.) bezahlen.
Meine Empfehlung in Corona-Zeiten
Im Moment ist die Sachlage für niemanden gut, weder für das Brautpaar, noch für die Gäste oder das Servicepersonal. So oder so gibt es keine wirklich gute und befriedigende Lösung. Wenn ihr als das Brautpaar den Termin verschiebt, müsst ihr sicherlich Stornogebühren an die Dienstleister zahlen und findet mit dem neuen Termin vielleicht nicht das, was ihr euch wünscht. Die Gäste fühlen sich derzeit einfach verunsichert, und Oma und Opa überlegen leider immer mehr, zumindest bei den Hochzeiten, die bis Ende April stattfinden, die Hochzeit abzusagen und zu Hause zu bleiben. 
Für uns Leistungsträger ist es ebenso schwierig - wenn die Brautpaare absagen, werden zwar Stornierungskosten in Rechnung gestellt, aber dennoch müssen wir uns mit Geldverlusten herumschlagen und insbesondere darf der Leistungsträger trotz des Kontaktes mit so vielen Menschen nicht krank werden. Denn das würde bedeuten, dass er seine anstehenden Hochzeiten absagen müsste, bis er gesund ist, was zu Problemen in Bezug auf eine kurzfristige Neubesetzung führt.
Leider bleibt euch erst einmal nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass sich die Lage nicht verschlimmert. Im Großen und Ganzen glaube ich aber nicht, dass kleinere Hochzeiten bald verschoben werden MÜSSEN (d.h. dass es behördlich verordnet wird). Ihr möchtet sicher auch die älteren Gäste dabei haben, deshalb rate ich dazu, euch zu überlegen, ob es nicht doch besser wäre die Hochzeit zu verschieben, denn viele Gäste haben für sich schon entschieden, dass sie auf eurer Hochzeit nicht erscheinen werden (zumindest nicht wenn sie im April / Mai stattfinden sollte), denn so schnell werden wir und die Welt sicher noch nicht Herr der Lage sein.
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Wenn eure Hochzeit eher klein sein wird (bis 50 Gäste vor allem Gesunde und Menschen jüngeren Alters) und erst für Juni terminiert ist, kann man sie sicher erst einmal stattfinden lassen, muss aber mit seinem Gewissen vereinbaren können, dass auch dort Übertragungen stattfinden können, die wiederum in anderen Situationen ältere und Menschen mit Vorerkrankungen belasten und ins Krankenhaus bringen könnten… Es ist schwer zu sagen, ab wann es ethisch nicht mehr vertretbar ist. Das muss jeder mit seinem Gewissen und mit sich selbst vereinbaren. Es ist für alle eine unglaublich schwierige Situation und natürlich hat man sich auf seinen besonderen Tag gefreut, aber es gibt nun mal nichts wichtigeres in diesem Moment als Menschenleben  zu retten… Deshalb mein persönlicher Tipp als Mensch, Vater und Sohn eines über 70-jährigen Rentners:
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Verschiebt sie lieber! Jedes Menschenleben zählt! Versetzt euch allerdings auch in die Situation der Dienstleister, die davon leben. Wenn einem auf einmal wegen so etwas die Hauptsäule an Einnahmen einbricht, kann es schnell passieren, dass man als Fotograf, DJ, Caterer etc. Insolvenz beantragen muss. Auch was die Termine betrifft muss man sich darauf einstellen, dass es keine Wunschtermine gibt, wenn man verschiebt. Am besten auf einen Wochentag oder evtl. sogar Sonntag (bestenfalls im Jahr 2021) verschieben, denn der Sommer hat nur eine begrenzte Anzahl an Samstagen, die ja auch meist schon 1-2 Jahre im voraus gebucht sind.

Fazit:

Im Zweifel am besten beim zuständigen Gesundheitsamt anrufen und fragen wie die Situation ist. Abgesehen davon, dass die Stimmung bei eurer Hochzeit sowieso eher gedrückt sein wird (vor allem wenn jemand dort am Niesen oder Husten ist) ist es aus ethischen Gründen besser die Hochzeit entweder zu verschieben, bzw. nur die Trauung im engsten Kreis stattfinden zu lassen. Die Feier könnt ihr immer noch nachholen und eure Gäste werden es euch danken.


Also dann, bleibt gesund und schützt eure Mitmenschen!
Euer Nate